Streitigkeiten beim Unternehmenskauf

Wenn sich nach dem Vollzug herausstellt, dass die zugesagten Zahlen nicht tragen oder wesentliche Verbindlichkeiten verschwiegen wurden, entscheidet der Wortlaut der vereinbarten Garantien über die Haftung. Dr. Traub vertritt Erwerber und Veräußerer in Auseinandersetzungen um Share Deal und Asset Deal und denkt die zivilrechtliche und die strafrechtliche Ebene von Beginn an gemeinsam.

Wenn der Unternehmenskauf zum Streitfall wird

Kaum eine Transaktion ist so voraussetzungsreich wie der Erwerb eines Unternehmens, und kaum eine trägt ihr Konfliktpotential so tief in sich. Zwischen Signing und Closing, häufiger noch in den Monaten danach, tritt zutage, was die Due Diligence nicht erfasst hat oder nicht erfassen konnte: eine Bilanz, die den zugesagten Eigenkapitalausweis nicht trägt, zu knapp bemessene Rückstellungen, Verbindlichkeiten gegenüber Sozialversicherungsträgern oder der Finanzverwaltung, von denen im Datenraum nichts zu finden war. Da die Vertragsparteien das dispositive Sachmängelrecht der §§ 434 ff. BGB regelmäßig durch ein eigenständiges Regime aus Garantien, Freistellungen und Beschaffenheitsvereinbarungen ersetzen, entscheidet in der Auseinandersetzung fast immer der Wortlaut des Vertrages: ob eine Bilanzgarantie hart oder weich formuliert ist, welche Beschaffenheit dem Unternehmen zugesagt wurde, wessen Wissen dem Veräußerer zugerechnet wird und welche Haftungshöchstbeträge und Verjährungsregelungen greifen. Der zweite große Streitherd ist der Kaufpreis selbst, sei es über die Stichtagsbilanz des Closing-Accounts-Mechanismus, sei es über die Frage unzulässiger Mittelabflüsse beim Locked-Box-Prinzip. Hinzu treten MAC-Klauseln und Rücktrittsrechte, deren Reichweite in Krisenzeiten ihre Kontur oft erst im Streit gewinnt.

Der fachübergreifende Ansatz von Dr. Traub

Dr. Traub führt in solchen Auseinandersetzungen zusammen, was in der Praxis meist getrennt bearbeitet wird. Als promovierter Jurist und Diplom-Kaufmann (Tübingen und Lausanne) liest er die streitige Stichtagsbilanz nicht allein als Rechtstext, sondern beurteilt Ansatz und Bewertung, die Angemessenheit der Rückstellungen und die betriebswirtschaftliche Plausibilität der Planzahlen, auf denen die Kaufpreisfindung beruhte. Seine drei Fachanwaltschaften greifen dabei ineinander: Das Handels- und Gesellschaftsrecht trägt die Auslegung des Kaufvertrages sowie die Fragen der Anteilsübertragung und der Gesellschafterstellung, das Steuerrecht klärt die Reichweite von Steuergarantien und Freistellungen und die Folgen einer Betriebsprüfung nach Vollzug, das Insolvenz- und Sanierungsrecht wird bedeutsam, sobald das erworbene Unternehmen bereits in der Krise stand oder in sie gerät und Anfechtungsrisiken, Antragspflichten und persönliche Haftung in den Blick treten. Von zentraler Bedeutung ist überdies die strafrechtliche Dimension: Wer den Kaufpreis manipuliert, wesentliche Verbindlichkeiten verschweigt oder den Datenraum beschönigt, bewegt sich nicht nur im Feld der Garantiehaftung und der arglistigen Täuschung nach § 123 BGB, sondern potenziell im Anwendungsbereich des Betruges nach § 263 StGB; auf Erwerberseite kann bei bestehender Vermögensbetreuungspflicht der Untreuevorwurf nach § 266 StGB hinzutreten. Ein Vorwurf, der zivilrechtlich erhoben wird, entfaltet in einem parallel geführten Ermittlungsverfahren eine eigene Dynamik. Wer beide Ebenen isoliert betrachtet, riskiert Erklärungen im Zivilprozess, die sich im Strafverfahren gegen den eigenen Mandanten wenden.

Strategisch handeln statt reagieren

In Auseinandersetzungen um einen Unternehmenskauf entscheidet die frühe Weichenstellung über den Ausgang: die fristwahrende und formgerechte Anzeige der Garantieverletzung, die Sicherung der Beweismittel aus Datenraum und Vertragsdokumentation, die Prüfung einer etwaigen Schiedsklausel und die nüchterne Abwägung, ob Nachverhandlung oder streitige Auseinandersetzung dem wirtschaftlichen Interesse besser dient. Dr. Traub prüft Ihren Unternehmenskaufvertrag und die streitige Position, ordnet die rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Risiken ein und entwickelt mit Ihnen eine belastbare Strategie, die auch das strafrechtliche Risiko von Anfang an mitdenkt. Für ein Erstgespräch stehen wir Ihnen in Esslingen und Stuttgart zur Verfügung.

Typische Mandate in diesem Bereich

  • Geltendmachung und Abwehr von Garantieansprüchen aus dem Unternehmenskaufvertrag
  • Streit um Bilanzgarantien und zugesagte Beschaffenheit des Zielunternehmens
  • Auseinandersetzungen über Kaufpreisanpassung nach Closing Accounts oder Locked Box
  • Vorwurf einer unvollständigen oder beschönigten Due Diligence
  • Anfechtung und Rückabwicklung wegen arglistiger Täuschung
  • Streit über MAC-Klauseln, Rücktritts- und Kündigungsrechte zwischen Signing und Closing
  • Vertretung in Schiedsverfahren und vor den staatlichen Gerichten
  • Verteidigung bei parallelen Ermittlungsverfahren wegen Betrugs oder Untreue

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist eine Bilanzgarantie und weshalb wird gerade über sie so häufig gestritten?

Mit einer Bilanzgarantie sichert der Veräußerer zu, dass der Jahresabschluss des Zielunternehmens ein bestimmtes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage vermittelt. Entscheidend ist, ob die Klausel als sogenannte harte Garantie objektiv die Richtigkeit des Abschlusses verbürgt oder lediglich weich auf die Einhaltung der Bilanzierungsgrundsätze und die Kenntnis des Veräußerers abstellt. Von dieser Auslegung hängt ab, ob bereits die objektive Unrichtigkeit einer Position genügt oder ob dem Veräußerer zusätzlich ein Wissen nachzuweisen ist. Hinzu treten die Fragen der Rechtsfolge, also ob der Erwerber Bilanzauffüllung oder Ersatz des Minderwerts verlangen kann, sowie die vertraglich vereinbarten Haftungshöchstbeträge, Bagatellgrenzen und Verjährungsfristen. Diese Regelungen sind der eigentliche Hebel der Auseinandersetzung und werden regelmäßig unterschätzt.

Kann sich der Erwerber noch auf einen Mangel berufen, obwohl er eine Due Diligence durchgeführt hat?

Der Umfang der Prüfung wirkt in beide Richtungen. Kannte der Erwerber den Mangel bei Vertragsschluss, sind seine Rechte nach § 442 BGB grundsätzlich ausgeschlossen, und der Veräußerer wird einwenden, die betreffende Information habe im Datenraum offengelegen. Umgekehrt entlastet der beste Datenraum den Veräußerer nicht, wenn er eine wesentliche Verbindlichkeit gezielt verschwiegen oder beschönigt hat, denn auf einen vereinbarten Haftungsausschluss kann er sich bei Arglist nach § 444 BGB nicht berufen. Neben den vertraglichen Garantien bleibt zudem die Haftung wegen Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten nach § 311 Abs. 2 in Verbindung mit § 241 Abs. 2 BGB im Blick zu behalten. Welcher Weg trägt, entscheidet sich an der Dokumentation des Verfahrens, an den Frage- und Antwortlisten und an der Reichweite der vereinbarten Wissenszurechnung.

Wo liegt der Unterschied im Streitrisiko zwischen Closing Accounts und Locked Box?

Beim Closing-Accounts-Mechanismus wird der Kaufpreis anhand einer auf den Vollzugsstichtag aufzustellenden Bilanz angepasst. Der Streit verlagert sich damit in die Bilanz selbst, namentlich in die Definitionen von Nettofinanzverbindlichkeiten und Working Capital sowie in die Frage, welche Bilanzierungsmethode Vorrang hat, die vertraglich vereinbarte oder die bisher geübte Praxis. Das Locked-Box-Prinzip friert den Kaufpreis auf einen zurückliegenden Bilanzstichtag ein und verlagert die Auseinandersetzung auf die Frage, ob zwischen diesem Stichtag und dem Vollzug unzulässige Mittelabflüsse an die Veräußererseite stattgefunden haben. Beide Modelle erfordern in der Auseinandersetzung dieselbe Doppelkompetenz: juristische Vertragsauslegung und belastbares Verständnis der Rechnungslegung.

Schiedsgericht oder staatliches Gericht, was bedeutet die Wahl für den Streitfall?

Unternehmenskaufverträge enthalten häufig eine Schiedsklausel, die den Rechtsweg zu den staatlichen Gerichten wirksam ausschließt. Für das Schiedsverfahren sprechen die Vertraulichkeit, die Auswahl fachkundiger Schiedsrichter und die internationale Vollstreckbarkeit des Schiedsspruchs; gegen es sprechen die erheblichen Verfahrenskosten und die stark eingeschränkte Überprüfbarkeit der Entscheidung. Vor jeder Anspruchsverfolgung ist deshalb sorgfältig zu prüfen, wie weit die Klausel reicht, ob sie auch deliktische Ansprüche und Ansprüche gegen mitverpflichtete Gesellschafter erfasst und welche Schiedsordnung mit welchen Fristen gilt. Ein an das unzuständige Forum gerichteter Antrag kostet Zeit und kann in der Sache erheblichen Schaden anrichten.

Wann erwächst aus dem zivilrechtlichen Streit ein Strafverfahren?

Sobald der Vorwurf lautet, Zahlen seien bewusst geschönt oder Verbindlichkeiten gezielt verschwiegen worden, steht neben der vertraglichen Garantiehaftung und der Anfechtung wegen arglistiger Täuschung nach § 123 BGB der Betrugsvorwurf nach § 263 StGB im Raum. Bei Vermögensbetreuungspflichten, etwa auf Seiten eines handelnden Geschäftsführers, kann zusätzlich der Vorwurf der Untreue nach § 266 StGB erhoben werden. Beide Ebenen wirken aufeinander ein: Was im Zivilprozess vorgetragen wird, kann in einem parallelen Ermittlungsverfahren Verwendung finden, und eine unbedachte Strafanzeige verschafft dem Gegner mitunter Einblick, den er im Zivilverfahren nicht erhalten hätte. Zu beachten ist ferner die Jahresfrist des § 124 BGB für die Anfechtung, die mit der Entdeckung der Täuschung zu laufen beginnt. Deshalb gehören zivilrechtliche Strategie und strafrechtliche Risikobewertung von der ersten Stunde an in eine Hand.

Sie haben ein Anliegen aus diesem Bereich? Nehmen Sie Kontakt auf für ein vertrauliches Erstgespräch.

Von Dr. Traub · Zuletzt aktualisiert am 28.7.2026